Was online Handel nicht kann

Gleich vorweg:

Wir sind keine Gegner des Internets und der Zukunft. Wir nutzen das Web für viele Dinge. Aber: Uns als Verein mit vielen Mitgliedern, die kleinere, private Unternehmen leiten, und die Attraktivität der Stadt erhalten möchten, liegt es sehr am Herzen, Ihnen auch die Konsequenzen eines vollständigen Online Einkaufes vor Augen zu führen. Daher haben wir auch im November einen Folder entworfen mit dem Titel “Sie sind toll!”. Damit bedanken wir uns bei den Kunden, die lokal kaufen und sehr weitsichtig an die Zukunft von uns allen denken. Viele Kunden finden diesen Folder direkt im Einkaufssackerl.

Vorteile des Online Shoppings:

  • Unbestritten das Auswählen der Produkte zu jeder Tages- und Nachtzeit,
  • der optimale Preisvergleich,
  • eine enorme Menge an Informationen
  • und die meist kostenfreie Lieferung bis zur Haustüre.

 

Nachteile:

  • Kein Shoppingerlebnis, kein Fühlen der Ware/des Materials, kein Anschauen der Verarbeitung.

Und auf den zweiten Blick erkennt man, dass es jeden Einzelnen von uns trifft, wenn großteils nur noch im Internet gekauft wird.

  • Es werden wesentlich weniger oder kaum noch Arbeitsplätze im Handel vor Ort angeboten, aber auch bei Dienstleistern wie Banken und Gewerbebetriebe wie Tischlern.
  • Auch Ausbildungsplätze für Lehrlinge fallen weg.
  • Noch mehr kleine Geschäfte schließen, d.h. noch mehr leere Geschäftsflächen in der Stadt. Die „Wohlfühlatmosphäre“ fällt weg. Gehen weniger in der Stadt shoppen und genießen, müssen Gastronomiebetriebe zusperren – auch hier weniger Arbeitsplätze, keine Lehrlinge und leere Flächen. Ein Kreislauf.
  • Jedes Unternehmen muss Umsatz abhängig Steuern und Abgaben an Gemeinde und via Finanzamt an den Staat leisten: die Umsatz- dem Käufer besser bekannt als Mehrwertsteuer, für die Angestellten die Lohnsteuer, dann den Dienstgeberbeitrag und den Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag, die Einkommens- bzw. Körperschaftssteuer. Das alles geht an das Finanzamt und wird dort benutzt, um alle Ausgaben des Staates, der Bundesländer, aber auch der Kommunen, so wie Leoben, zu finanzieren. Die an das Finanzamt abgeführten Steuern werden nach einem gesetzlich festgelegten Schlüssel (auch nach der Einwohnerzahl) für die so genannte Daseinsvorsorge genutzt. Dazu gehört die Errichtung bzw. der Erhalt der Infrastruktur (Straßen, Wasser-, Stromleitungen, Kanal, Sportstätten, Schulen etc.), für die die Kommunen über Bedarfszuweisungen Geld vom Land und vom Bund erhalten.

Konsequenz: Gibt es weniger Steuer zahlende Unternehmen in Österreich (eine größere Zahl der Unternehmen, die über das Internet verkaufen, sind Großkonzerne, die ihren Firmensitz oft gar nicht in Österreich haben), gibt es weniger Geld zu verteilen. D.h. es ist weniger Geld für die Infrastruktur da – schlechte Straßen, vielleicht kein Hallenbad mehr, keine Eishalle, weniger Sanierungen von Schulen, weniger Kindergärten und –krippen, etc. Die Liste lässt sich beliebig verlängern.

Verschlechtert sich aber die Infrastruktur und gibt es viel weniger Arbeits- und Ausbildungsplätze, wandern die Leute ab in Städte mit besserem Angebot. Dies wird aber dann nur noch in Großstädten möglich sein. Und sind Sie sicher, dass Sie in Wien, Salzburg oder Graz leben möchten (bzw. sich es finanziell leisten könnten?)

Die Zukunft des Handels mitbestimmen

Jeder von uns kann letztendlich mitbestimmen, wie die Zukunft des Einzelhandels vor Ort aussehen wird. Wer nur im Internet einkauft, sollte auch die oben beschriebenen Konsequenzen bedenken, die ein Niedergang der Geschäfte hätte: kein Einkauf mehr in der Stadt, keine Steuern ans Finanzamt und die Gemeinde, keine Beiträge für die Sozialversicherung, keine Lehrstellen, keine Arbeitsplätze. Wer in seiner Stadt eine funktionierende Infrastruktur, eine positive Atmosphäre haben möchte, der sollte auch vor Ort und nicht nur im Internet einkaufen.

Tipps für den lokalen Einkauf:

  • Fragen Sie Ihren Händler vor Ort, ob er Ihnen nicht auch ein bestimmtes Produkt besorgen kann.
  • Sprechen Sie ganz konkret auch über Ihre Preisvorstellungen, bedenken Sie aber, dass ein lokaler Händler wesentlich mehr Kosten hat, als ein Online Händler und Sie vom Umsatz des lokalen Geschäftes genauso profitieren! Verschenken kann niemand etwas.
  • Und denken Sie daran – möchten Sie jemanden mit Ihrer Zeit und mit Ihrem Wissen beraten, der nur zu Ihnen gekommen ist, um das auszunutzen, weil er dann doch im Interne einkauft.